Sicher bohren

Wo darf man bohren? Installationszonen einfach erklärt

In jeder normgerecht gebauten Wohnung liegen Leitungen in festgelegten Streifen. Wer diese Streifen kennt, weiß vorher, wo der Bohrer gefahrlos ansetzen darf und wo es riskant wird.

Kurz gefasst

Leitungen laufen in 30 Zentimeter breiten Zonen: waagerecht unter der Decke und über dem Boden, senkrecht neben Türen, Fenstern und Ecken. Dazwischen ist die Wand in der Regel frei.

Bohren darfst du überall dort, wo keine Installationszone verläuft, also im mittleren Wandbereich zwischen den festgelegten Streifen. Diese Zonen sind in der DIN 18015-3 geregelt und markieren die Bahnen, in denen Elektroleitungen unter Putz verlegt werden. Kennst du die Maße, kannst du eine Wand grob einschätzen, bevor du überhaupt das Ortungsgerät ansetzt. Verlassen darfst du dich allein darauf allerdings nie.

Kurzanleitung: Miss den Abstand deiner Bohrstelle zur fertigen Decke, zum fertigen Fußboden und zur nächsten Tür, Fensterlaibung oder Raumecke. Liegt der Punkt in keinem der Zonenstreifen, ist er ein guter Kandidat. Schau dann, ob senkrecht oder waagerecht über dem Punkt eine Steckdose, ein Schalter oder eine Lampe sitzt: Von dort führt eine Leitung weg. Fahr die Stelle zum Schluss mit einem Ortungsgerät in zwei Richtungen ab, einmal quer und einmal längs. Erst dann bohrst du, und zwar ohne Schlag und mit begrenzter Tiefe.
5 bis 10 Min

Dauer für die Prüfung vor dem Bohren

leicht

Schwierigkeit, Messen statt Raten

30 bis 150 Euro

Materialkosten für ein Ortungsgerät

Zollstock

plus Ortungsgerät und Tiefenanschlag

Was Installationszonen sind und woher sie kommen

Eine Installationszone ist ein Streifen in der Wand, in dem Elektroleitungen laufen dürfen. Der Sinn dahinter ist praktisch: Wenn alle Elektrobetriebe dieselben Bahnen benutzen, kann später jeder abschätzen, wo etwas liegt, ohne die Wand zu öffnen. Die Zonen stehen in der DIN 18015-3, die die Anordnung von Leitungen und Betriebsmitteln in Wohngebäuden beschreibt.

Die Norm ist keine Vorschrift im Sinne eines Gesetzes, gilt aber als anerkannte Regel der Technik. Ein Elektrobetrieb, der davon abweicht, muss das begründen und dokumentieren. In der Praxis halten sich Neubauten und fachgerechte Sanierungen daran. Für die Wände selbst ist zusätzlich wichtig, welches Material dahintersteckt, wie im Ratgeber zum Bohren in Beton beschrieben.

Die Maße zum Merken

Alle Zonen sind 30 Zentimeter breite Streifen. Gemessen wird immer ab der fertigen Oberfläche, also ab Estrich mit Belag und ab Putz.

ZoneMaß ab fertiger KanteWas dort typisch liegt
Waagerecht oben15 bis 45 cm unter der DeckeZuleitungen zu Schaltern und Leuchten
Waagerecht unten15 bis 45 cm über dem BodenSteckdosenkreise entlang der Wand
Waagerecht Mitte100 bis 130 cm über dem Bodennur in Küche und Hauswirtschaftsraum
Senkrecht10 bis 30 cm neben Tür, Fenster, RaumeckeAbgänge zu Schaltern und Dosen
Schalterhöhemeist 105 cm über dem BodenLichtschalter, oft in der senkrechten Zone
Steckdosenhöhemeist 30 cm über dem Bodenam oberen Rand der unteren Zone

Die Faustformel dahinter lautet: rund 30 Zentimeter unter der Decke, rund 30 Zentimeter über dem Boden und rund 15 Zentimeter neben Öffnungen liegt die Wandmitte des jeweiligen Streifens. Wer diese drei Zahlen im Kopf hat, erkennt die Risikobereiche in jedem Raum sofort.

Sonderzonen in Küche und Bad

In Küchen und Hauswirtschaftsräumen kommt die mittlere waagerechte Zone dazu, weil dort Steckdosen über der Arbeitsplatte gebraucht werden. Sie liegt zwischen 100 und 130 Zentimetern über dem Boden. Genau in dieser Höhe hängen später oft Hängeschränke, Leisten und Küchenrollenhalter. Das macht die Küche zum riskantesten Raum beim Bohren.

Im Bad gelten zusätzlich Schutzbereiche rund um Wanne und Dusche, die in der Normenreihe DIN VDE 0100-701 geregelt sind. Dort sind Leitungen und Geräte nur eingeschränkt zulässig, und die Verlegung folgt anderen Regeln als im Wohnraum. Kommt hinter der Fliese noch eine Wasserleitung dazu, wird es unübersichtlich. Für Bohrungen in Fliesen hilft dir die Anleitung zum Bohren in Fliesen, die auch das Ansetzen ohne Reißen erklärt.

Altbau: warum du dich dort nie verlassen darfst

Die Zonenregel ist vergleichsweise jung. Wohnungen aus den 1950er und 1960er Jahren wurden verdrahtet, bevor es diese Systematik gab. Dort verlaufen Leitungen häufig auf dem kürzesten Weg diagonal durch die Wand, weil der Elektriker Material sparen wollte. Eine Diagonale kann jeden Punkt der Wand kreuzen.

Dazu kommen spätere Umbauten. Jede nachgerüstete Steckdose, jede versetzte Leuchte und jeder Kabelkanal, der später überputzt wurde, hinterlässt eine Leitung außerhalb der Zonen. Auch in Neubauten gibt es Ausnahmen: Zuleitungen zu Rollladenmotoren, Türsprechanlagen und Deckenauslässen laufen nicht immer normgerecht.

Sicherheit: Neben Strom liegen in Wänden auch Wasserleitungen und in älteren Gebäuden Gasleitungen. Eine angebohrte Wasserleitung meldet sich sofort, eine angebohrte Gasleitung riechst du. Passiert das, verlässt du die Wohnung, öffnest unterwegs die Fenster, betätigst keinen Schalter und rufst von draußen den Notdienst des Versorgers an. Arbeiten an Gasleitungen dürfen ausschließlich eingetragene Fachbetriebe ausführen.

Sicher bohren in 6 Schritten

  1. Zonen anzeichnen. Miss die Abstände zu Decke, Boden und nächster Öffnung und markiere die Streifen mit Bleistift oder Kreppband. Was innerhalb liegt, kommt als Bohrpunkt nicht infrage, solange es eine Alternative gibt.
  2. Umgebung lesen. Schau nach Steckdosen, Schaltern und Deckenauslässen im Umkreis von einem Meter. Von jedem dieser Punkte geht eine Leitung senkrecht nach oben oder unten weg. Diese gedachten Linien meidest du.
  3. Ortungsgerät kalibrieren. Setz das Gerät auf eine leitungsfreie Wandstelle und lass es einmessen. Fahr die Bohrstelle danach langsam ab, waagerecht und senkrecht, und markiere jeden Ausschlag. Wiederhol den Durchgang aus der anderen Richtung.
  4. Stromkreis abschalten. Bei tiefen Bohrungen und in Küche oder Bad schaltest du die Sicherung des Raums vorher aus. Trifft der Bohrer trotzdem eine Leitung, ist der Schaden dann nur materiell und nicht gefährlich.
  5. Bohrtiefe begrenzen. Stell den Tiefenanschlag auf Dübellänge plus 10 Millimeter. Der Putz ist meist 10 bis 15 Millimeter dick, darunter liegen die Leitungen oft nur wenige Millimeter tief. Wer 80 Millimeter bohrt, wo 45 reichen, erhöht das Risiko ohne Grund.
  6. Erst ohne Schlag anbohren. Die ersten 15 Millimeter bohrst du im Drehgang. So spürst du Widerstand, bevor der Schlag etwas zerstört. Trifft der Bohrer auf weiches Metall oder Kunststoff, brichst du sofort ab.

Ortungsgerät richtig einsetzen und seine Grenzen

Einfache Geräte für 30 bis 60 Euro finden Metall und stromführende Leitungen bis etwa 4 bis 6 Zentimeter Tiefe. Bessere Multidetektoren ab etwa 100 Euro erkennen zusätzlich Holzunterkonstruktionen und Kunststoffrohre. Beide arbeiten nur so gut wie die Wand es zulässt.

Diese Situationen führen zu falschen Ergebnissen: eine stromlose Leitung wird von einfachen Geräten nicht als spannungsführend erkannt, Bewehrungsstahl in Betondecken überdeckt alles andere, feuchter Putz verfälscht die Messung, und Metallständerwände zeigen so viele Ausschläge, dass keine Aussage bleibt. Wie du bei Elektroleitungen zusätzlich vorgehst, steht im Ratgeber zum Finden von Stromleitungen.

Was tun, wenn du eine Leitung getroffen hast

Fliegt die Sicherung oder gibt es einen Funken, ziehst du den Bohrer nicht heraus, sondern lässt ihn stecken und gehst zum Verteiler. Schalte den betroffenen Automaten und den FI-Schalter aus. Erst danach ziehst du das Werkzeug und schaust dir die Stelle an.

Die Reparatur ist Sache eines Elektrofachbetriebs. Eine beschädigte Ader darf nicht einfach isoliert werden, die Verbindung muss dauerhaft zugänglich oder mit einer zugelassenen Verbindung ausgeführt sein. Rechne mit 150 bis 400 Euro, je nachdem, wie viel Wand geöffnet werden muss. Melde den Schaden deiner Haftpflichtversicherung, in der Mietwohnung zusätzlich dem Vermieter. Für die nächste Bohrung lohnt der Blick auf typische Fehler beim Bohren und auf den passenden Dübel für deine Wand.

Häufige Fragen

Darf ich mitten in der Wand bohren?

Im mittleren Wandbereich zwischen den Zonen ist das Risiko am geringsten. Sicher ist es trotzdem nicht: Diagonale Altleitungen und nachträgliche Umbauten halten sich an keine Zone. Miss immer nach.

Gelten die Zonen auch für Wasserleitungen?

Nein, die DIN 18015-3 beschreibt die Elektroinstallation. Wasserleitungen folgen anderen Regeln und laufen häufig senkrecht zu Anschlusspunkten. In Bad und Küche musst du deshalb besonders vorsichtig sein.

Wie tief liegen Leitungen unter dem Putz?

Oft nur 5 bis 15 Millimeter unter der Oberfläche, weil die Schlitze knapp gefräst werden. Deshalb ist der Tiefenanschlag am Bohrer die wirksamste einzelne Maßnahme.

Hilft ein Foto von der Baustelle?

Ja, und zwar mehr als jedes Gerät. Wenn du selbst baust oder sanierst, fotografiere jede Wand vor dem Verputzen mit einem Zollstock im Bild. Diese Bilder sind später Gold wert.

Was gilt bei Trockenbauwänden?

Dort liegen Leitungen frei im Hohlraum und folgen den Zonen nur grob. Ortungsgeräte finden die Metallständer zuverlässig, Kabel dagegen schlecht. Bohre flach und nutze Hohlraumdübel.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr. Normwerte sinngemäß wiedergegeben.

Weitere Themen aus „Sicher bohren“

Passende Nachbarthemen