Streichen & Tapezieren

Wand kreidet: So streichst du über abfärbende Farbe

Du fährst mit der Hand über die Wand und sie ist danach weiß. Streichst du jetzt einfach drüber, hält die neue Farbe auf einem Pulverfilm und löst sich früher oder später.

Kurz gefasst

Erst klären, welche Farbe an der Wand ist. Leimfarbe muss runter. Kreidende Dispersions- oder Kalkfarbe festigst du mit Tiefengrund und streichst dann neu.

Wenn eine Wand kreidet, hat die alte Farbe ihr Bindemittel verloren oder hatte nie genug davon. Die Pigmente liegen lose auf der Oberfläche und färben ab. Bevor du streichst, musst du diesen Belag entweder entfernen oder festigen. Welcher Weg richtig ist, hängt von der Art der alten Farbe ab.

Die Kurzfassung: Mach den Schwammtest. Lässt sich die Farbe mit einem nassen Schwamm bis auf den Putz abwaschen, ist es Leimfarbe, und die muss vollständig herunter. Löst sie sich nicht, bürstest du den losen Staub ab, trägst einmal Tiefengrund auf und streichst nach dem Trocknen ganz normal. Auf Kalkfarbe kannst du auch wieder mit Kalkfarbe streichen.
2 Tests

Wischtest und Schwammtest

3 Farbarten

Leim, Kalk oder Dispersion

1 Minute

reicht für den Schwammtest

Warum kreidet eine Wand?

Leimfarbe. Bis in die Nachkriegszeit war Leimfarbe in Altbauten Standard, vor allem an Decken. Sie ist mit Wasser löslich. Nach Jahrzehnten ist der Leim spröde, die Farbe pudert ab. Neue Farbe weicht sie beim Streichen an, und beides blättert gemeinsam.

Kalkfarbe. Kalkanstriche kreiden natürlicherweise leicht, vor allem wenn sie dünn oder zu stark verdünnt aufgetragen wurden. Das ist kein Mangel, aber ein Hinweis für den neuen Anstrich.

Billige oder gealterte Dispersionsfarbe. Günstige Farben enthalten viel Füllstoff und wenig Bindemittel. Nach vielen Jahren, in feuchten Räumen oder bei starker Sonne wird ihre Oberfläche mürbe.

Falsch verdünnt. Wurde die Farbe beim letzten Anstrich stark mit Wasser gestreckt, fehlt der Oberfläche Bindemittel. Das Ergebnis sieht zunächst gut aus und kreidet nach wenigen Jahren.

Wie finde ich heraus, welche Farbe an der Wand ist?

Zwei einfache Tests reichen für die Entscheidung.

TestErgebnisBedeutung
Wischtest mit trockener HandHand bleibt saubertragfähig, kein Problem
Wischtest mit trockener HandHand weiß oder farbigWand kreidet, weiter mit Schwammtest
Schwammtest mit nassem SchwammFarbe löst sich bis auf den PutzLeimfarbe, muss runter
Schwammtest mit nassem Schwammnur leichte Verfärbung am SchwammDispersion oder Kalk, festigen
Tropfen Essigessenzschäumt leichtHinweis auf Kalk

Reibe beim Schwammtest etwa eine Minute an einer unauffälligen Stelle. Der Essigtest ist nur ein Hinweis, denn auch manche Putze reagieren. Im Zweifel behandelst du die Wand wie die schwierigere Variante.

Wie entferne ich Leimfarbe?

Leimfarbe wäschst du ab. Das ist mühsam, aber es gibt keine Abkürzung. Grundierung und neue Farbe halten auf ihr nicht dauerhaft.

  1. Boden gut abdecken. Es wird nass und milchig. Folie plus Malervlies verhindern, dass du Farbe durch die Wohnung trägst.
  2. Farbe einweichen. Mit einer Bürste oder Deckenbürste warmes Wasser auftragen und einige Minuten einziehen lassen.
  3. Abwaschen und abspachteln. Mit Schwamm und breitem Spachtel die aufgeweichte Farbe abnehmen. Häufig das Wasser wechseln.
  4. Nachwaschen. So lange, bis der Schwamm nach dem Reiben kaum noch Farbe zeigt.
  5. Gründlich trocknen lassen. Mindestens einen, besser zwei Tage.
  6. Tiefengrund auftragen. Er bindet die letzten Reste und gleicht das Saugen des Putzes aus.

An Decken ist das anstrengend. Plane Pausen ein und arbeite in Feldern von etwa einem Quadratmeter.

Sitzt die Leimfarbe auf einer Raufaser- oder Papiertapete, wird es schwierig. Die Tapete weicht beim Abwaschen mit auf. Dann ist es meist einfacher, die Tapete samt Farbe zu entfernen und die Wand neu aufzubauen. Wie du diese Entscheidung triffst, zeigt der Beitrag Raufaser überstreichen oder entfernen. Wände, die du vorher mit Dispersionsfarbe gestrichen hast, sind von diesem Problem nicht betroffen.

Wie festige ich kreidende Dispersions- oder Kalkfarbe?

Hier musst du nichts abwaschen. Bürste den losen Staub mit einem trockenen Besen oder einer weichen Bürste ab. Danach trägst du einmal Tiefengrund satt auf, nass in nass, ohne Pfützen. Er dringt in die mürbe Schicht ein und verklebt die Pigmente.

Nicht mehrfach auftragen, sonst entsteht ein Glanzfilm, auf dem die neue Farbe schlecht haftet. Wann Tiefengrund sinnvoll ist und wann nicht, erklärt der Ratgeber Tiefengrund: wann nötig. Musst du vorher noch Löcher schließen, gilt eine eigene Reihenfolge, beschrieben im Beitrag Erst spachteln oder grundieren.

Vorsicht beim Arbeiten: Beim Abwaschen an Decken tropft Wasser. Schalte Deckenleuchten und Steckdosen im Arbeitsbereich an der Sicherung ab und prüf mit einem zweipoligen Spannungsprüfer. Arbeite an Leitungen nicht selbst, das ist Sache einer Elektrofachkraft. Schleif alte Anstriche in Häusern aus der Zeit vor Mitte der 1990er Jahre nicht trocken ab, denn darunterliegende Spachtelmassen können Schadstoffe enthalten.

Welche Farbe streiche ich danach?

Alter UntergrundVorbehandlungNeue Farbe
Leimfarbevollständig abwaschen, TiefengrundDispersions- oder Silikatfarbe
kreidende KalkfarbeabbürstenKalkfarbe ohne Grundierung
kreidende Kalkfarbeabbürsten, TiefengrundDispersionsfarbe
kreidende Dispersionsfarbeabbürsten, TiefengrundDispersionsfarbe

Nimm für den neuen Anstrich eine Farbe mit gutem Deckvermögen, am besten Klasse 1 oder 2. Verdünne sie höchstens im ersten Anstrich leicht. Sonst wiederholst du den Fehler, der oft zum Kreiden geführt hat. Wenn die Farbe trotzdem nicht deckt, hilft der Beitrag Wandfarbe deckt nicht.

Welche Fehler solltest du vermeiden?

  • Einfach drüberstreichen. Auf kreidendem Untergrund hält keine Farbe dauerhaft. Sie löst sich in Schollen, wie im Beitrag Wandfarbe blättert ab beschrieben.
  • Leimfarbe nur grundieren. Die Grundierung weicht die Leimfarbe an und verbessert die Lage nicht.
  • Zu viel Tiefengrund. Ein Glanzfilm macht die Haftung schlechter statt besser.
  • Zu früh streichen. Nach dem Abwaschen braucht die Wand Zeit. Feuchter Putz führt zu Flecken und Blasen.

Wie die komplette Vorbereitung vom Abkleben bis zum letzten Test aussieht, zeigt der Ratgeber Wände richtig vorbereiten.

Häufige Fragen

Kann ich über Leimfarbe streichen?

Nicht dauerhaft. Leimfarbe ist wasserlöslich und wird von neuer Farbe angelöst. Beide Schichten blättern dann gemeinsam ab. Deshalb wäschst du Leimfarbe vorher vollständig ab.

Reicht Tiefengrund bei kreidender Wand?

Bei kreidender Dispersions- oder Kalkfarbe ja, nach gründlichem Abbürsten. Bei Leimfarbe nicht, dort muss die alte Farbe zuerst herunter, danach grundierst du.

Warum kreidet meine neue Farbe schon nach kurzer Zeit?

Meist wurde sie zu stark verdünnt, auf einen kreidenden Untergrund gestrichen oder es war eine Farbe mit wenig Bindemittel. Dann hilft nur festigen und neu streichen.

Wie erkenne ich Kalkfarbe?

Kalkfarbe wirkt sehr matt und leicht samtig. Ein Tropfen Essigessenz schäumt oft leicht auf. Sicher ist der Test nicht, weil auch manche Putze reagieren.

Wie lange nach dem Abwaschen darf ich streichen?

Warte mindestens einen, besser zwei Tage, bis der Putz durchgetrocknet ist. Dann trägst du Tiefengrund auf und streichst nach dessen Trockenzeit.

Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Angaben ohne Gewähr, Preise als Orientierung.

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